Station1:
ENTREE: DER KLIMAWANDEL UND SEINE URSACHEN
Was für ein unbeständiges Wetter. Auf keine Vorhersage kann man sich mehr verlassen. Wir haben aber Glück heute, denn wir haben einen strahlend blauen Himmel. Vorsichtshalber haben wir die Regensachen mal in den Rucksack gepackt. So ein kalt-warmes, trocken-nasses Wechsel-Wetter um diese Jahreszeit! Hat das mit dem Klimawandel zu tun?
Aber Halt! Da tappe ich in dieselbe Falle wie viele Menschen: Wetter und Klima sind ganz unterschiedliche Begriffe, die jeder für sich eine eigene Bedeutung haben. Wetter ist der Zustand der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt, also das, was jetzt und hier passiert. Klima ist viel größer: Damit bezeichnet man alle physikalischen Vorgänge, die die Sonne durch Bestrahlung der Erdatmosphäre über einen längeren Zeitraum aktiviert. Die ganze Welt mit ihren unterschiedlichen Klimazonen ist ein zusammenhängendes Gebilde. Das heißt: Wenn Menschen hier im Saarland etwas tun, kann das vielleicht Auswirkungen in Russland oder anderswo haben.
Und: Klima war nie stabil. Vulkanausbrüche, Einschläge von Meteoriten, die Verschiebung der Kontinente, die Schwankungen der Erdachse – all das hat dafür gesorgt, dass sich das Klima auf der ganzen Welt ständig gewandelt hat und weiter wandelt. Auf Warmzeiten, die riesige Saurier hervorgebracht haben, folgten Eiszeiten, in denen das Mammut lebte.
Nur etwas ist seit rund 150 Jahren anders: Der Mensch beeinflusst die Welt immer stärker und wirkungsvoller. Wir haben Industrie und Verkehr aufgebaut, wofür viel Energie benötigt wird. Diese Energie kommt zum Großteil aus der Erde – fossile Rohstoffe wie Kohle, Öl und Gas. Das waren vor Millionen von Jahren auch mal Pflanzen, die CO2, also Kohlendioxid, gespeichert und Sauerstoff produziert haben. Jetzt aber wird dieses CO2 freigesetzt. Je mehr CO2 sich aber in der Atmosphäre ansammelt, desto stärker wirkt ein Effekt, den wir aus dem Treibhaus kennen: Es wird allmählich wärmer. Nicht unbedingt überall und nicht gleichmäßig, aber es gibt eindeutige Anzeichen, die es belegen.
Mein Sohn zeigt auf ein Tier, das mit einem langen, feinen Rüssel in den Blüten stochert. Das Tier, das eine Mischung aus Vogel und Falter zu sein scheint, verharrt dabei wie reglos, um dann ruckartig zur nächsten Blüte zu fliegen – und dann wieder weiter zur nächsten. „Was ist denn das? So etwas habe ich hier noch nie gesehen! Gibt es hier etwa Kolibris?“ „Aber seit wann haben Kolibris Fühler?“
Es ist ein Taubenschwänzchen, ein tagaktiver Nachtfalter, ein Schwärmer, der neuerdings in unterschiedlicher Anzahl den Weg vom Mittelmeer über die Alpen zu uns findet.
Und genau solche Phänomene sind es, die uns den Wandel anschaulich machen, weil das Wetter ja nicht als Hinweis dienen kann. Neue Schmetterlinge, die sich bisher nur südlich der Alpen wohlgefühlt haben, besuchen nun unsere Blüten. Die Gottesanbeterin breitet sich hier aus. Zugvögel ändern ihr Verhalten und überwintern viel weiter nördlich. Pflanzen verbreiten sich, die nicht gegen harte Winter gewappnet sind.
Dazu steigt die Häufigkeit extremer Wetterereignisse wie Stürme, Starkregen und Hochwasser auf der ganzen Welt. Die Gletscher in den Alpen schmelzen immer schneller ab. Auch die Eisfläche im Nordpolarmeer schrumpft immer stärker. Sollte auch das Eis auf dem antarktischen Festland schmelzen, wird der Meeresspiegel merklich ansteigen.
Gleichzeitig verändert sich das Meerwasser durch die Aufnahme von CO2: Es wird saurer und damit können einige Meeresbewohner wie Korallen ihr Kalkskelett nicht mehr aufbauen. Ein Meer ohne Korallen – wollen wir das?
Und wenn den Menschen ihre Natur schon nicht so wichtig ist: Welche Folgen hat der Klimawandel auf unsere Gesundheit? Jeder, der wetterfühlig ist, weiß, was es bedeutet, wenn der Luftdruck ständig wechselt. Gleichzeitig können sich Krankheitserreger, die bisher nur in tropischen Regionen vorgekommen sind, auch in anderen Regionen der Erde verbreiten.
Je mehr ich hier erfahre, desto mehr wird mir klar: Es gibt offensichtlich genügend Argumente, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Ich frage mich nur, warum sich die Menschen nicht darauf einigen können. Dabei gibt es doch viele Möglichkeiten, aktiv zu werden. Zum Beispiel im Bereich der erneuerbaren Energien. Müller bedienten sich früher schon des Windes oder des Wassers, um ihre Mühlen anzutreiben. Und die Energiemenge, die unsere Sonne jedes Jahr über Deutschland liefert, übersteigt den tatsächlichen Energiebedarf um das 80fache. Zurück zu diesen Quellen zu gehen ist unser neuer Weg nach vorne.
So viele Informationen auf einmal. Mein Mann und unsere Kinder sind schon ungeduldig. Sie wollen weiter. Denn wir wollen auf der tour d‘énergie noch mehr erfahren über unser Klima, wie wir es beeinflussen und was wir gegen die Klimaerwärmung tun können. Also rauf aufs Rad und den Berg hinauf.
Apropos „den Berg hinauf“: Als ungeübte Radlerin werde ich mir ein Pedelec bei der Tourismus- und Kulturzentrale ausleihen, ein Fahrrad mit eingebauten Rückenwind. Die Akkus werden selbstverständlich mit Solarstrom aufgeladen. Außerdem sind wir bereits sehr klimafreundlich und bequem mit der Bahn hierher gereist. Denn auch die Bahn setzt voll auf erneuerbare Energien.
So, bevor es losgeht noch schnell ein Blick auf die Karte: Wir starten hier zwischen den alten Grubengebäuden und da hinten geht es schon den Berg hoch. Ich drehe mich zu meiner Familie um. „Alle startklar?“ Die Jungs, top-fitte Teenager, zappeln vor Ungeduld, mein Mann nickt und lächelt. Also los.
Und so machen wir uns auf den Weg, der zunächst noch ganz eben ist.





